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Mittendrin statt nur dabei - Silvester im Hamburger Hafen

Zum ersten Mal seit dem Jahreswechsel 1987/88 waren der Mann und ich gestern Abend allein. 
"Man könnte ja mal wieder zum Hafen - so wie damals." Und nachdem sich über Tag der Hochnebel verzogen hatte und es am Abend aufgeklart hatte, entschieden wir uns nach dem Abendessen gegen 22:00 Uhr von Harburg aus mit der S-Bahn nach Hamburg zu fahren. Damit begann der Wahnsinn der Silvesternacht, der laut Abendblatt in diesem Jahr mit 234 Bränden und 769 Rettungseinsätzen endete.

Der fast normale Wahnsinn in der Bahn
... begann mit dem Parkautomaten im P+R-Parkhaus am Harburger Bahnhof. "Was? 2 € für 24 Stunden?" Ach ja. Seit dem Sommer muss man ja bezahlen, weil kein Geld für die Sanierungskosten der P+R-Häuser in Hamburg da ist. Egal - bei 10,80 für eine Gruppenkarte macht das den Kohl auch nicht fett.
Wir hatten dann solange mit dem Geld und den Automaten vertüddelt, dass die erste Bahn uns entkam. Glücklicherweise kam nach 6 Minuten die nächste S3, die uns zum Hauptbahnhof brachte.


Die S-Bahn war etwa so voll wie zu den normalen geschäftigen Vormittagen. Das sollte sich auf dem Bahnsteig der U3 zu fast japanischer Enge verdichten. Hier ließen wir einen Zug ziehen und bestiegen 3 Minuten später eine angenehm "leere" U-Bahn, die uns bis zum Baumwall brachte.
Hier wollten wir an der Kehrwiederspitze das Feuerwerk im Hafen ansehen; genauso wie die Hälfte aller Hamburger und Bewohner der umliegenden Landkreise.
Der ganz normale Wahnsinn einer Völkerwanderung
....begann mit dem Ausstieg aus der Bahn und aus dem Bahnhof heraus hinein in den Hafen. Wir waren früh dran; noch war es eine Stunde bis Mitternacht, aber die Straßen, Plätze und Brücken um den Hafen herum füllten sich schnell.
Wir fanden einen schönen Platz in der Nähe des Gebäudes der Hafenpolizeiwache, mit Blick auf die Cap San Diego und das Feuerschiff. Der Mann wollte zuerst lieber auf der großen Freitreppe der Elbpromenade stehen bleiben. Aber auf der Kehrwiederspitze hatten wir einen Galerieplatz mit Geländer zum Festhalten. Und wir konnten sehen wie die Massen aus dem Bahnhof Baumwall alle auf die Treppe drängten.
Zwischenzeitlich staute es sich zum Bahnhof hin, das die Menschen nicht den Bahnsteig verlassen konnten und die nächste Bahn aus Sicherheitsgründen erst einmal außerhalb stoppte, bis die Sicherheitskräfte der Hochbahn "Freie Fahrt" gaben.

Auch auf der Niederbaumbrücke selbst versammelten sich die Feiernden und verballerten ihr Repertoire schon weit vor Mitternacht.


Der ganz normale Ballerwahnsinn einer Nacht
... begann mit einem Knaller unters Auto, setzte sich fort einem Riesenfeuerwerk aus allen Ecken des Hafens und endete mit brennenden Pappkartons zwischen fahrenden Autos mitten auf dem Fußgängerüberweg am Johannisbollwerk.




In der einen Stunde vor dem Neujahrstuten der Schiffe und Barkassen im Hafen war die Luft schon völlig vernebelt, so dass das eigentliche Neujahrsfeuerwerk Mühe hatte sich gegen die Rauchschwaden durchzusetzen. Der Mond hatte sich während der Knallerei schon beleidigt hinter einer Wolke versteckt.
Bevor die Massenabwanderung einsetzen konnte, schlängelten wir uns zurück zum Bahnhof, mitten durch die feiernden, fröhlichen Leute.




Rempeln und Schubsen und mit Raketen und Böllern beschossen werden, ärgerte heute Nacht niemanden. 

Der ganz normale Wahnsinn von Dienst habenden Menschen
... begann und endete mit den Ordnungskräften auf dem Bahnhof. Sie achteten darauf, dass niemand ins Gleisbett oder die vollen Treppen hinunter fiel bei der Ankunft. Sie verteilten die Menschen auf die Wagons, weil alle in den ersten Wagen der Bahn drängelten bei der Abfahrt.
Krankenwagen und Feuerwehr standen unter Beschuss, während sie alle Hände voll zu tun hatten, die Leichtsinnigen zu retten und zu verarzten.



Der ganz normale Wahnsinn vom Fotografieren in der Nacht
 ....begann in der Bahn und endete in der Bahn. Und zwischendurch gibt es 95 Bilder, von denen ungefähr die Hälfte mangels Stativ verwackelt ist, eingedampft auf etwa 25 passable präsentierbare Bilder.












Fazit des ganz normalen Feierwahnsinns...
Es war toll, es war schön. Und nächstes Jahr will ich das wieder haben.

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