Türchen Nummer 14


Die Weihnachtsgeschichte zum Caturday 
(Caturday = Saturday = Samstag)

Der Text heute ist Teil einer längeren Geschichte, die ich vor 15 Jahren für unsere Jungs aufgeschrieben habe. Im nächsten Mai wird unser Kater 17 Jahre alt. Er hat Arthrose, verliert Wasser und vergisst nach dem letzten Bissen, dass er gerade gefressen hat.

Advent, Advent, der Otto brennt
In der Adventszeit bauen wir in unserem Wintergarten immer die große Holzpyramide mit den acht Kerzen auf.
Sie steht auf einem Kindertisch nahe am Fenster, damit auch die Nachbarn und Fußgänger sich an dem Lichterschein erfreuen können.
Da Katzen sehr neugierige Tiere sind, müssen alle Veränderungen in ihrem Wohnbereich gründlich studiert und inspiziert werden. Otto und Paulinchen sind da natürlich keine Ausnahme.
Für unseren Otto war in diesem Jahr alles das erste Mal: Der erste Sommer, der erste Herbst, der erste Schnee.

Und dann kam der erste Advent.
Die ganze Familie saß gemütlich im Wintergarten bei Kaffee und Kuchen. Am Adventskranz brannte die erste Kerze und die Figuren auf der Pyramide drehten sich im Kerzenschein. Paulinchen hatte es sich auf Papas Schoß gemütlich gemacht.
Otto schlich um den kleinen Tisch herum. Er blinzelte in das flackernde Licht und versuchte herauszufinden, was das denn sei. Und dann sprang er auf den Tisch, um dass sich drehende Ding näher zu erkunden.
Daniel stand auf, um ihn vom Tisch auf den Boden zu setzen.
Aber Otto war hartnäckig. Er sprang wieder hinauf, Daniel setzte ihn auf den Boden, er sprang wieder auf den Tisch. Also gaben wir erst einmal nach.
Wir passten nur auf, dass er nicht in die Nähe der Kerzen kam.
Doch als wir einen Augenblick nicht aufpassten, passierte es:
Otto kam mit seinem Bauch an eine der Kerzen. Er sah aus, als würde er in Flammen stehen. Und er merkte es nicht einmal. Auch als wir alle vor Schreck aufschrien, sah er uns nur fragend an. 
Papa, inzwischen ohne Paulinchen auf dem Schoß, sprang auf und griff nach ihm.
Nein, er brannte doch nicht. Es war noch einmal gut gegangen. Sein Fell hatte ihn vor einer Verletzung geschützt. Nur seine Seite war angekokelt. Es stank nach verbrannten Haaren. Immer noch sah er uns fragend an. Er verstand nicht, warum wir alle so aufgeregt waren. Es war doch nichts passiert. Und das bisschen Fell konnte ja wieder nachwachsen.
Die Weihnachtszeit brachte uns allerdings weitere Verrücktheiten von Otto.
Am Heiligabend klaute er frisch gekochte Kartoffeln, die eigentlich für das Mittagessen bestimmt waren, und verteilte sie über den Küchenfußboden.
Und am ersten Weihnachtsfeiertag versuchte er den Weihnachtsbaum zu erklettern. Das nahm dieser ihm allerdings übel und kippte einfach um. Dabei gingen ein paar Kugeln und meine Lieblingsglasglocke zu Bruch.
Wir stellten den Baum wieder auf. Und wir banden ihn an der Wand fest. Nun war der Baum erst richtig interessant. Otto konnte bis zur Spitze hinaufklettern. Leider vertrug unser Weihnachtsbaum diese Kletteraktionen nicht besonders gut. Noch ein paar Kugeln zerbrachen und auch ein paar abgebrochene Zweige konnten wir aufsammeln. Also musste immer jemand den Baum bewachen oder wir verschlossen die Zimmertür. Sonst hätte unser Baum wie ein gerupftes Huhn ausgesehen.
Übrigens – dieses Jahr sind unsere Kugeln aus unzerbrechlichem Plastik.

Otto erzählt
Was passiert hier schon wieder? Wieso steht ein Baum im Wintergarten? Also meine Menschen sind doch total verrückt geworden.
Und wieso stehen hier so viele Kisten herum? Muss ich mal hinein sehen. Eeh, nicht wegscheuchen. Ich will doch nur gucken. Schöne bunte Bälle, blaue, rote und goldene, schön glänzende Bälle liegen in den Kisten.
Vielleicht darf ich damit spielen. Da liegt ein Ball auf dem Boden. Der rollt aber schön. Hoppala, nun ist er kaputt. Schade. Aua, aua. Was ist das für ein Zeug? Jetzt habe ich mir meine Pfoten aufgeschnitten. Und meine Menschen schimpfen mit mir. Das sind gar keine Bälle zum Spielen. Schade. Und was wollen meine Menschen mit diesen blöden Dingern? Sie hängen sie an den Baum. Und Lichter sind auch an dem Baum. 
 
Das sieht aber hübsch aus. Hier direkt vor meiner Nase hängt eine von diesen hübschen bunten Kugeln. Und gleich daneben baumelt ein Männchen aus Holz. Und was ist da oben? Das muss ich doch mal genauer erkunden. Warum komme ich nicht da dran? Die Kugel funkelt doch besonders schön. Ich klettere jetzt einfach in den Baum. So wie ich es im Garten immer mache.
Ist aber eine wackelige Angelegenheit. Nur noch ein Stückchen. Was passiert jetzt? Achtung, Baum fällt!!
Scheibenkleister, das gibt Ärger. Bloß schnell weg. Ich glaube, ich verstecke mich erst einmal bis das Schlimmste vorbei ist.
Alles wieder in Ordnung. Der Baum steht wieder. Was machen meine Menschen jetzt? Toll, sie binden den Baum fest. Jetzt kippt er bestimmt nicht mehr um, wenn ich daran hochklettere. „Hau ab“ sagt Daniel zu mir. Du bist aber nicht sehr nett zu mir heute. Nur weil mir die Kartoffeln so gut geschmeckt haben. Es hat mir doch keiner gesagt, dass die für den Kartoffelsalat waren. Und die Würstchen habe ich nicht angerührt, obwohl sie sehr verführerisch gerochen haben.

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