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Himmelsgucker mit Sollbruchstelle


Seit Samstag ist unser Kleiner auf Studienfahrt gen England. Für ihn eine Woche London, für Mama und Papa eine Woche sturmfreie Bude. 
Immer mit dem abrupten Ende der Ski-Reise im Februar im Hinterkopf warten wir darauf, dass sich das Kind nicht meldet, weil er Spaß hat und beschäftigt ist. Vielleicht gehört es zu den Prophezeiungen der Geburt, was aus einem Kind einmal wird. Julian wurde wegen der schnellen Geburt schon mit einem Schlüsselbeinbruch geboren und war ein sogenannter Himmelsgucker. 
Von den über 200 Knochen im menschlichen Skelett hat Julian schon vier gebrochen - je einmal jeden Arm und die beiden Schlüsselbeine. Sollte fürs zukünftige Leben reichen. Und er ist ein Himmelsgucker geworden - Ein Kind, das mit Begeisterung durchs Teleskop guckt, ins Planetarium geht und darauf hofft auf den Mars zu fliegen. Und für den ein Studium der Luft- und Raumfahrt ein Traum wäre, wenn es da nicht die irdischen langweiligen Bücher gäbe, in die man seine Nase stecken muss. 
Speziell die Schulbücher, die ein niedersächsischer Oberstufenschüler so hinter sich bringen muss laut Kerncurriculum Deutsch - Schillers Kabale und Liebe und die gute Effi Briest von Theodor Fontane. Ich habe viele Klassiker gelesen, aber nie ist mir so richtig aufgefallen, welche Schmonzetten im "Twilight"-Stil auch früher schon geschrieben wurden. Erst ein Hin und Her um zwei Menschen, die sich nicht lieben dürfen und hinterher ist mindestens einer tot. Da ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass technisch-mathematisch begabte Jungen am Deutschunterricht verzweifeln. Interessante Belletristik gibt es für männliche Teenager kaum. Die lesen einfach nicht, schon gar nicht im Zeitalter des Internets und der PC-Spiele. 
Freiwillig und tatsächlich mit Begeisterung gelesen hat Julian das "Marsprojekt" von Andreas Eschbach, eine Kinderbuchreihe. 
Rechtzeitig für die 12-stündige Busfahrt nach Calais bestellte ich beim Buchhändler meines Vertrauens das erste Buch der Reihe "Out" von Andreas Eschbach - "Blackout".
Gestern abend dann die erste Mail aus London - "Konnte im Bus wieder nicht schlafen, habe die ersten 100 Seiten gelesen". Ein schöneres Kompliment kann ein Buch kaum bekommen, oder?

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