Fast live-Blogging aus dem Krankenhaus

Es begann schon Montagmittag. „Schon“ deshalb, weil ich mit dem zunächst vermuteten Krankheitsbild spätestens Dienstagmorgen ins Krankenhaus gehört hätte. Aber bei Krankheiten bin ich ein Weltmeister im Verdrängen – Was von allein kommt, geht von allein auch wieder. Diesmal leider nicht. Am Mittwochmorgen saß mein Kleiner mir gegenüber und meinte, dass ich so „komisch“ blinzeln würde. Und auch beim Zähneputzen konnte ich es nicht mehr ignorieren: Irgendetwas stimmte mit meinem Gesicht nicht. Beim Spülen und Ausspucken lief das Wasser aus dem Mundwinkel, Pfeifen war gar nicht mehr drin. Und dieser merkwürdige bittere Geschmack im Mund mit dem Gefühl einer an zu heißem Essen verbrannten Zunge. Von „Da ist was mit den Zähnen“ bis Schlaganfall rotierten die Gedanken. Mit Herzklopfen bis zur Kehle ging es ab zum Arzt. Und 15 Minuten später mit Einweisung und gepackter Tasche ab ins Krankenhaus.

Tag 1

12.00 Uhr - Ankommen. Warten. Anmelden. Warten. Anamnese. Warten. Bett bekommen. Nochmal kurz warten. Zugang gelegt. Ganz lange warten. Endlich eine Diagnose, aber kein Mittagessen. Ein McD vor dem Krankenhaus wäre jetzt schön. Diagnose ist partielle Facialisparese idiopathischer Herkunft – auf Deutsch teilweise Gesichtslähmung unbekannter Herkunft. Ein Schlaganfall ist es nicht. Eher wüten irgendwelche Viren oder Bakterien in meinem Hirn. Der diensthabende Arzt spricht von Herpes (igitt) oder Borreliose (igittigitt). Herausfinden wollen sie es mit einer Lumbalpunktion (na, super!!) und als Therapie gibt es erst einmal Cortison satt und später Logopädie. Es ist erlaubt Grimassen zu ziehen!

18.00 Uhr Verlegung von der Notaufnahme in die Neurologie. Tausch von 2 schwerhörigen alten Damen zu einer schnarchenden alten Dame. Endlich Abendbrot – Neudeutsch OMG! Muss aus der Schnabeltasse trinken. Mir ist schleierhaft wie irgendjemand in einem Krankenhaus gesund werden kann

0.00 Uhr Schlaflos in Buchholz. Meine zweite Bettnachbarin, die noch eben sanft geschlummert hatte, als ich aus dem Zimmer ging um einen neuen Tee zu holen, ist aus dem Bett gefallen, als sie zur Toilette wollte. Habe mich gerade daran erinnert, dass ein Schlafdefizit immer das größte Problem bei meinen Krankenhausaufenthalten gewesen ist. Weil sich mein linkes Auge nur noch unter größten Kraftanstrengungen schließen lässt, muss es mit einer Salbe und einer Augenklappe vor dem Austrocknen geschützt werden. Schade, dass Halloween schon vorbei ist. Ich bekomme keine Piratenklappe, sondern den Pro-ophta Augenverband mit transparenter gewölbter Augenscheibe. Sehe aus wie ein halber Frosch mit der Maske.

Kommentare

  1. Ich kann mich soo gut in Deine Situation hineinversetzen!! Hatte genau das Gleiche. Saß auf einmal morgens um 8 in der Notaufnahme mit Verdacht auf Schlaganfall... mit 29 Jahren!! Es war dann das Gleiche wie bei Dir. Ist aber alles ohne Nachwirkungen wieder weg. Und keiner weiß bis heute warum... Naja, ich wünsche alles Gute!!! Und immer schön Grimassen machen!! ;-)

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